In Geiselbach-Omersbach trafen sich die „Teufelsmüller“ zum runden Zwillingsgeburtstag

Die „Teufelsmüller“ feiern den 70. Geburtstag der Zwillingsschwestern Ottilie Arndt und Lydia Ostermeier.

Geiselbach-Omersbach. Jeder kann sich vorstellen, wie groß die Freude ist, wenn sich 70 Familienmitglieder, die ansonsten „in alle Winde zerstreut“ leben, treffen. Wenn dann noch der 70. Geburtstag von Zwillingsschwestern der Anlass ist, rücken viele Erinnerungen an frühere Zeiten in den Vordergrund. Bei den Zwillingsschwestern Ottilie Arndt und Lydia Ostermeier sind es ganz besondere Erinnerungen, denn die beiden gehören zu den „Teufelsmüllern“, wie die Eigentümer der Teufelsmühle im idyllischen Teufelsgrund des Geiselbacher Ortsteils Omersbach genannt werden.

Für die Schwestern, von denen eine in München und eine Nürnberg lebt, ist es wie eine Heimkehr, denn schon als Kinder haben sie im Teufelsgrund nicht nur Abenteuer erlebt, sondern richtig mit ihren Eltern Alfred und Anna Hofmann, den Brüdern Theo und Oskar sowie der bereits verstorbenen Schwester Wilfriede gelebt. Bei der Geburtstagsfeier erinnern sie sich, dass die Eltern die Teufelsmühle von 1949 bis 1956 als Gasthaus geführt haben. Vor allem der Vater sei „mit Leib und Seele Wirt und Teufelsmüller“ gewesen. Ein Erlebnis, das zur wild-romantischen Umgebung passt wie kein anderes, ist ihnen in besonderer Erinnerung geblieben. Demnach lebte im nahen Wald mehrere Jahre lang eine Wildkatze. Als sie einmal Junge hatte, kam zeitgleich ein Hochwasser. „Sie hat alle ihre Junge in der Teufelsmühle in Sicherheit gebracht“, so Ottilie Arndt.

Main Echo vom 30.8.2018 (Text: Marion Stahl)

Auf den Grundmauern der heutigen Teufelsmühle stand früher die mittlere von insgesamt drei Mühlen, die im Jahr 1782 erstmals genannt wurden. Diese mittlere Mühle wurde 1892 abgerissen. Katrin Ostermeier, die Tochter der Zwillingsschwester Lydia, sammelt alle Infos zur Familiengeschichte. Sie hat inzwischen erfahren, dass ihr Urgroßvater Kilian das kleine Gebäude 1909 als Jagdhütte für Jemanden aus Frankfurt errichtet habe. Der Auftraggeber habe ihn aber nicht bezahlen können, so dass ihm die Hütte in einem Gerichtsverfahren als Lohn zugesprochen worden sei.

Zusammen mit dem damals 16-jährigen Sohn Alfred hat Kilian um 1920 das Gebäude um ein Stockwerk erweitert und ihm das heutige Aussehen gegeben. Dass Alfred die Teufelsmühle 1956 wieder verlassen habe, sei seinem Beruf als Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst zunächst in Nürnberg und später in Weißenburg geschuldet. Alfred und Anna seien 1986 sehr romantisch gestorben: „Sie sind in der selben Nacht einfach eingeschlafen“, wie Katrin Ostermeier weiter erzählt.

Die fünf Kinder von Alfred und Anna, darunter die Zwillingsschwestern, bildeten nach dem Tod der Eltern eine Erbengemeinschaft. Als das Dach repariert werden musste, lernten sie den Dachdeckermeister Ludwig Thalheimer aus Mömbris kennen. Er blieb als Pächter von 1992 bis heute in der Teufelsmühle, die er nicht nur all die Jahre zusammen mit seiner Frau Hannelore in „Schuss hielt“, sondern auch für Ausflugsgäste und Schulklassen öffnete. Als er bei der Familienfeier von den Zwillingsschwestern in den Ruhestand verabschiedet wurde, hoben sie vor allem die „legendären“ Feste am 1. Mai und am Vatertag hervor.

Es wird aber nicht nur einen neuen Pächter geben. Auch an verantwortlicher Stelle der Erbengemeinschaft ist die nächste Generation am Ruder. Das sind Katrin Ostermeier (38), studierte Politikwissenschaftlerin und selbstständiger Business Coach, und ihr gleichaltriger Cousin Jan Vobis, der als promovierter Maschinenbauer bei einem großen Autohersteller in München arbeitet. Katrin bekam den Anteil von ihrem Onkel Theo geschenkt, ihr Cousin hat den Anteil von seiner Mutter Wilfriede geerbt.

Unter dem Motto „Teufelsmühle 4.0“, wie die Zwillingsschwestern diesen Schritt nennen, wollen sie das Gebäude im Einklang mit der Natur in die Zukunft bringen. Unterstützt von Katrins Bruder Martin (34), der bei den Vereinten Nationen arbeitet, haben sie mit einem neuen Dach, einer Solaranlage für den Strom und einer speziellen Technik, mit der das Wasser aus der Zisterne geholt wird, den Grundstock dafür gelegt. Noch in der Testphase befindet sich das ökologische Klo.

Katrin Ostermeier weiß, wovon sie redet, denn mit Bruder und Cousin verbrachte sie in der Kindheit mehrere Sommerwochen in der Teufelsmühle. „Das war genial. Badehose und Gummistiefel an und los ging es durch Wiesen und Wälder.“ Sie haben Mühlräder im Bach gebaut und Pilze gesammelt, während die Mütter bei einer „riesigen Kanne Kaffee“ und einem Blech Zwetschgenkuchen auf der Terrasse saßen.

Die drei kommen immer noch regelmäßig in die Teufelsmühle. Zum Entspannen, um handwerklich zu arbeiten oder um beispielsweise eine Doktorarbeit zu schreiben. Beim Werkeln haben sie reichlich Hilfe, denn mit ihrer Liebe zur Teufelsmühle haben sie zahlreiche Freunde angesteckt. Wanderer staunen in diesen Wochen nicht schlecht, denn dann treffen sie auf Menschen aus aller Herren Länder, von Australien über England bis Guatemala. Schlafplätze gibt es tatsächlich vor Ort; in zwei kleinen Räumen im Obergeschoss für mindestens sechs Personen oder, wenn alle Stricke reißen, in Zelten auf der großen Lichtung vor dem Gebäude.

Verewigt ist die Teufelsmühle längst: im Buch „Des Teufels Mühle“. Den Krimi haben die Zwillingsschwestern im Jahr 2009, zum 100-jährigen Jubiläum der Teufelsmühle, herausgegeben. Die ehemaligen Lehrerinnen haben übrigens noch mehr Bücher zusammen geschrieben. Darunter der Krimi „Eibengift“, der im mystischen Eibenwald von Paterzell spielt.

Den Namen Teufelsmühle führen viele auf die Sage vom Hahnenschrei zurück. Demnach lebte in einer der drei Mühlen ein Müller, der eine Wassermauer setzte. Kaum war sie fertig, hatte die Mauer einen langen Riss. Als der Müller rief „Soll dich doch der Teufel holen“, erschien dieser tatsächlich. Der Teufel bot dem Müller an, den Riss zu schließen – mit der Seele des Müllers als Lohn. Da er seine Seele behalten durfte, wenn der Teufel es nicht schaffen sollte, den Riss vor dem ersten Hahnenschrei zu schließen, griff des Müllers Frau zu einer List: rechtzeitig ahmte sie einen Hahnenschrei nach und rettete so die Seele des „Teufelsmüllers“, wie die Bewirtschafter seither genannt werden.

Familientreffen in der Teufelsmühle